«Ich bin wie ein hungriger Löwe»: So tickt Volley Schönenwerds neuer Trainer Bogdan Kotnik

«Ich bin wie ein hungriger Löwe»: So tickt Volley Schönenwerds neuer Trainer Bogdan Kotnik
03.10.2020

Die Verantwortlichen bei Volley Schönenwerd wollten Bogdan Kotnik diesen Sommer unbedingt als Trainer verpflichten. Der Slowene ist Erfolgsgarant, Professor, Pragmatiker und emotionaler Antreiber in einem. Ein Porträt.

Es gibt da diesen einen Satz, der Daniel Bühlmann, dem Leiter der Herren Elite von Volley Schönenwerd, unlängst über die Lippen gekommen ist. Über den neuen Trainer Bogdan Kotnik meinte Bühlmann: «Er hat 24 Stunden am Tag Volleyball im Kopf.» Das Werturteil, das den Beigeschmack von sanfter Übertreibung mit sich trägt, ruft beim Betroffenen selbst willkommene Zustimmung hervor. «Was Daniel sagt, stimmt», erwidert Kotnik und spinnt den Gedanken gleich noch zu Ende: «Ich bin wie ein hungriger Löwe. Ein Löwe jagt, und wenn er schläft, denkt er ans Jagen. Bei mir ist es genau gleich – nur eben mit Volleyball.»

Nun ist es ja so, dass Analogien zuweilen etwas quer daherkommen und sich ein Vergleich von mit Luft gefüllten Bällen und dem Erlegen von Beute nicht zwingend aufdrängt. Nichtsdestotrotz sagt es so einiges aus, darüber, wie der Mann funktioniert, den die Verantwortlichen in Schönenwerd unbedingt für ihre Mannschaft in der NLA verpflichten wollten. Ein Mann, den Bühlmann als «detailversessen» und «akribisch» lobt und dessen Referenzen er als «ausgezeichnet» taxiert. Wie also ist der Slowene mit dem kahl geschorenen Kopf und dem windschnittig geformten Brillengestell zu verstehen?

Einer, der die gesuchte Siegermentalität mitbringt

Zuallererst sollte man Bogdan Kotnik als einen Trainer einordnen, der den Erfolg sucht. Kotnik will gewinnen, sonst hätte er das nicht so ausgiebig getan: Bei Volley Ljubljana etwa, wo er 2015 und 2016 zwei Titel errang, oder in Österreich, wo er den SK Aich/Dob zur Meisterschaft führte. Zuletzt holte sich Kotnik als Trainer in Polen Edelmetall ab. Das begehrteste Gut im Sport, die so oft heraufbeschworene Siegermentalität – der 42-Jährige bringt sie mit nach Schönenwerd. «Ich habe in meiner Karriere schon vieles gewonnen», sagt Kotnik. «Ich weiss, wie das geht.»

Dann gibt es auch Kotnik, den Akademiker. Erst schloss er in der Sportwissenschaft im Kerngebiet Volleyball ab, bevor auf den Master in Kinesiologie ein Doktortitel in Sportpsychologie folgte. «Mein Ansatz ist analytisch und systematisch», sagt Kotnik, der während einer Coaching-Auszeit in den vergangenen zwei Jahren als Dozent an der Universität lehrte. Daten zu akquirieren, Statistiken auszuwerten und daraus die entsprechende Taktik abzuleiten, sind fundamentale Tätigkeiten für einen wie Kotnik.

Ruft ein Spieler sein Potenzial nicht ab, bricht es aus mir heraus.

Ebenso entscheidend aber, findet Kotnik selbst, sei die Kommunikation. Die Kunst, an den Stellschrauben zu drehen und bei den Spielern den passenden Trigger zu finden. «Am Schluss sind sie es, die den Unterschied ausmachen», sagt Kotnik. «Ich kann sie lediglich in die richtige Richtung leiten.»

In den Trainings, da spricht Kotnik vorwiegend Englisch, «manchmal auch ein wenig Italienisch und nur ganz selten Hochdeutsch». Alles andere regelt die Körpersprache. Grundsätzlich sei er ein ruhiger Typ, sagt Kotnik. Doch sieht er, dass ein Spieler nicht sein volles Potenzial ausschöpft, dann bricht es aus ihm heraus. «Like a fire», sagt Kotnik.

Bei Schönenwerd stimmte alles – auch das Finanzielle

Letztlich existiert noch eine dritte Lesart über Bogdan Kotnik. Eine, die der eigenen Selbsteinschätzung entspringt: jene des Pragmatikers. «Meine Gedanken kreisen nicht um das, was wäre, was hätte sein können oder was in ein paar Monaten sein wird», sagt Kotnik. «Das ist Unsinn. Ich konzentriere mich auf das Hier und Jetzt.» Es mag abgedroschen klingen, vor allem im Sport, wo Pathos dazu gehört und Phrasen wie diese teilweise arg überstrapaziert werden. Doch einer wie Kotnik denkt ausschliesslich von Spiel zu Spiel, von Satz zu Satz, ja gar von Punkt zu Punkt.

Zum Pragmatismus gehört es wohl auch, darauf hinzuweisen, wieso er, Kotnik, in Schönenwerd und nicht anderswo angeheuert hat. Natürlich, es lockt die sportliche Herausforderung, aus einem Klub, der noch nie Meister war, einen Champion zu formen. Doch in Schönenwerd, da ist Kotnik ehrlich genug, stimmen auch die finanziellen Rahmenbedingungen.

«Ein Trainer muss Geld verdienen», sagt Kotnik, der ebenso Angebote aus anderen Ländern hatte. Viele Vereine haben die nötigen Mittel jedoch nicht, schon gar nicht jetzt, da die Coronakrise Löcher in die Klubkassen frisst. «Die Schweiz», weiss Kotnik, «steht vergleichsweise gut da.»

Vielleicht aber kann man Bogdan Kotnik nicht gerecht werden, indem man ihn nur als Pragmatiker umschreibt. Wie pragmatisch kann es schon sein, wenn Kotnik sagt, dass der Klub für ihn «wie eine Familie» sei und er fest an die Spieler glaube, oder wenn er davon spricht, dass er jedes Spiel so angehe, «als wäre es der letzte Match meines Lebens»? Volleyball füttert Kotniks Emotionen. Mit Siegen will er sich den Magen füllen – wie ein Löwe das eben so macht.

Text: Frederic Härri - Solothurner Zeitung

Bild: © Patrick Luethy

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