Ist das bitter! Schönenwerd verpasst Cup-Triumph nach toller Ausgangslage

Ist das bitter! Schönenwerd verpasst Cup-Triumph nach toller Ausgangslage
28.03.2021

Nach einer 2:0-Führung gibt Volley Schönenwerd den Pokal gegen Jona aus den Händen. «Die Enttäuschung ist riesig. Plötzlich ist der Match fertig, der Gegner hat gewonnen, alles ist vorbei und du weisst gar nicht so recht, wie es dazu gekommen ist», kommentiert Mittelblocker Mischa von Burg die Niederlage.

Volley Schönenwerd geht auch bei seiner zweiten Cupfinal-Teilnahme als Verlierer vom Platz. Wieder war der Pokal zum Greifen nah. Wieder unterlagen die Schönenwerder nach ganz bitterem Spielverlauf. 2015 verloren sie trotz Matchbällen gegen Lausanne 2:3. Am Samstag vergaben sie den Sieg gegen Jona nach einer 2:0-Führung nach Sätzen. Das Warten auf den ersten Titelgewinn geht weiter – drei Tage vor dem Cupfinal scheiterte Schönenwerd im Playoff-Halbfinal an Chênois. Stattdessen feierte Jona den ersten Cupsieg der Klubgeschichte.

«Zwei Sätze lang spielten wir richtig gut und mit viel Selbstvertrauen. Das hat uns lange getragen. Wir haben sie zu Fehlern gezwungen, es lief für uns», sagte Reto Giger, der Zuspieler und nach dem Ausfall von Leandro Gerber auch Captain der Schönenwerder. «Je länger das Spiel dauerte, desto mehr machten sie uns das Leben schwer, indem sie uns spielen liessen, die Bälle einfach rüber gaben und die Schwäche in unserem System ausnutzten», ergründete er die Wende. «Dann schlichen sich bei uns langsam Unsicherheiten ein, was zu kleinen Fehlern führte – und das kostete uns am Ende den Pokal.»

Der Auftakt war fast zu schön, um wahr zu sein

Der Auftakt der Schönenwerder war furios. 6:2 führten sie nach zwei Sätzen in der Statistik der Blocks. 7:0 stand es bei den Assen. Gleich mit 25:12 holten sie den ersten Satz. Dank den Assen von Ulrich (5:2), Johansen (14:8 und 15:8) und Wawrzynczyk (25:12). Sie schlugen nicht nur stark auf, die Annahme der Schönenwerder war solide und der Angriff funktionierte gut. Allerdings leistete sich Jona auch viele Fehler und war schlicht noch nicht bereit.

Im zweiten Durchgang glichen sich die Kräfteverhältnisse allmählich aus. Diesmal gelang Mittelblocker von Burg ein wichtiger Punkt mit dem Service, ein Ass zum 19:17. Und nach einem erfolgreichen Block von Ulrich gegen Jona-Passeur Habr legte von Burg ein weiteres Ass nach zum 21:17. Es war bereits sein drittes in diesem Satz. Von Burg war es dann auch, der wenig später den Satzball zum 25:22 verwertete. «Wir hatten sie sehr gut im Griff, danach ist uns das Spiel schleichend entglitten», sagte er hinterher. «Trotzdem zweifelte ich nie daran, dass wir das Ding nach Hause schaukeln.»

Plötzlich kein Druck mehr mit den Aufschlägen

Nach den folgenden zwei Sätzen präsentierten die Statistiken ein etwas anderes Bild: Schönenwerd lag bei den Assen nur noch 9:7 vorne, bei den Blocks 13:8. Was die Fehler anging, waren die beiden Teams mittlerweile fast gleichauf. Die Annahme der St. Galler hatte sich allerdings deutlich stabilisiert. «Im dritten Satz spielten wir gut, aber nicht mit hundert Prozent hinter jeder Aktionen. Aber den müssten wir heimtun», haderte Reto Giger.

Schönenwerd konnte in der Schlussphase des dritten Satzes einen Drei-Punkte-Rückstand wettmachen und den ersten Satzball abwehren. Wawrzynczyk bekam die Chance zum Breakpunkt, doch der Pole blieb mit seinem Angriff an Jonas Topscorer Strugar hängen. Ein weiterer Angriffsfehler von Wawrzynczyk, diesmal landete der Ball im Seitenaus, beendete den dritten Satz.

Im vierten leisteten sich die Schönenwerder sieben Servicefehler. Sie mussten stets um den Anschluss kämpfen, konnten in der Money Time aber dank drei Punkten in Folge noch einmal zum 23:23 ausgleichen. Doch dann ging es plötzlich schnell: Ein Servicefehler von Giger und auf der anderen Seite ein Ass von Caviezel, der als wertvollster Spieler des Finalspiels ausgezeichnet wurde. 25:23 und 2:2 nach Sätzen – jetzt sprach eigentlich alles für Jona. «Wir müssten sie vor dem Tiebreak killen und den Match entscheiden», war auch Giger klar. «Wenn sie im Flow sind, ist es extrem schwierig, sie noch zu stoppen.»

Jonas Routiniers lieferten im entscheidenden Moment ab

Beim Seitenwechsel war im Tiebreak zwar noch alles offen, Jona führte mit 8:7. Es war aber offensichtlich, welches Team im Aufwind war. Es lief jetzt für Jona, Schönenwerd dagegen wirkte nervös und verunsichert. Im Angriff passte es jetzt nicht mehr zusammen. Wawrzynczyk kam nicht durch, dafür punktete Caviezel zum 9:7. Wenig später konnte Diagonalangreifer Johansen den Ball in zwei Versuchen nicht versenken, Nico Beeler dagegen spielte clever den Schönenwerder Block an und markierte so das 13:10. Den ersten Matchball kurz darauf konnten die Schönenwerder abwehren, dann beendete Jonas Topcorer Strugar den Cupfinal mit einem Smash, der via Schönenwerder Block im Aus landete.

«Jona hat einige Spieler mit sehr viel Erfahrung, die mental stark und in den wichtigen Momenten da sind. Wir haben am Schluss nicht mehr gut serviert. Jona war nicht besser, aber abgebrühter», kommentierte Giger seine vierte Finalniederlage. 2015 scheiterte er im ersten Versuch mit Volley Schönenwerd. 2017 und 2018 verpasste er den Cupsieg mit Näfels. «Ich hoffe, dass ich noch eine Chance bekomme. Ich werde auf jeden Fall weiter in jedem Spiel Vollgas geben», sagte der 29-jährige Zuspieler.

Für Mischa von Burg war es die erste Finalteilnahme. «Es ist ein schwieriger Moment. Ich bin mir das gar nicht gewohnt», sagte der 24-jährige Mittelblocker. «Es ist einfach schade, die Enttäuschung ist riesig. Plötzlich ist der Match fertig, der Gegner hat gewonnen, alles ist vorbei und du weisst gar nicht so recht, wie es dazu gekommen ist. Manchmal ist es einfach verrückt.» Der Nationalspieler machte 14 Punkte und zeigte eine sehr gute Leistung. Davon kann er sich allerdings nichts kaufen. «Im dritten Satz liessen wir sie zu sehr gewähren», kritisierte von Burg. «Wir gaben das Spieldiktat aus den Händen. Am Ende des dritten Satzes ist das Glück dann auf ihre Seite gefallen. Wir hätten sie nie so ins Spiel kommen lassen dürfen.»

Nachdem die Schönenwerder Jona vor einem Monat in den Playoff-Viertelfinals noch bezwungen hatten, mussten sie den St. Gallern nun beim Feiern zusehen in der AXA Arena in Winterthur. «Es ist eine riesengrosse Ehre für mich, den Cup nach Jona zu holen, nachdem wir vor 32 Jahren zum letzten Mal im Final standen, und dabei als Bester Spieler ausgezeichnet zu werden», sagte Matchwinner Ramon Caviezel.

Text: Raphael Wermelinger - Solothurner Zeitung

Bild:© Jörg Oegerli

 

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