Schönenwerds neuer Captain Nico Beeler vor dem Start: «Die Fans werden mich kämpfen und hoffentlich oft jubeln sehen»

Schönenwerds neuer Captain Nico Beeler vor dem Start: «Die Fans werden mich kämpfen und hoffentlich oft jubeln sehen»
01.10.2021

Alles neu bei Volley Schönenwerd: Ex-Beachvolleyball-Profi Nico Beeler ist einer von zehn Neuzugängen im Kader des NLA-Teams. Nach Näfels und Jona will er auch die Schönenwerder zu einem Titelgewinn führen. Und CEO Daniel Bühlmann sagt vor dem Auftakt: «Ich habe ein gutes Gefühl, was unser Kader angeht.»

Mit dem TSV Jona spielte Nico Beeler in der abgelaufenen Saison gegen keinen anderen Klub so oft wie gegen Volley Schönenwerd. Sieben Mal duellierten sich die beiden Teams 2020/21. Vier zu drei für Schönenwerd – dies die Bilanz. «Das wichtigste Spiel haben wir gewonnen. Am Schluss zählt nur der Sieg im Cupfinal», blickt er zufrieden zurück. «Klar wäre es schön gewesen, auch die Viertelfinalserie zu gewinnen, die Chancen auf den Meistertitel waren aber sehr gering. Deshalb legten wir den Fokus voll auf den Cup.»

Nachdem er mehrere Jahre die ganze Welt als Beachvolleyball-Profi bereist hatte, kehrte er 2020 in die Halle und zu seinem Stammklub Jona zurück.

Jetzt hat der 28-jährige Annahmespieler die Fronten gewechselt. Beeler spielt neu für Volley Schönenwerd. Alternativen hätte es viele gegeben. Gute Schweizer Spieler sind bei jedem NLA-Klub begehrt. Ligakrösus Amriswil köderte ihn mit der Aussicht auf Champions-League-Einsätze. Für ihn gab es aber nur die Optionen Jona oder Schönenwerd.

«Ich wohne seit etwas mehr als einem Jahr in Olten und arbeite als Lehrer in Trimbach», begründet er seinen Schritt. In der vergangenen Saison pendelte er mehrmals pro Woche von Olten nach Jona.

 

«Das wollte ich nicht mehr auf mich nehmen. Vom Weg her ist Schönenwerd optimal für mich.»

 

Spass am Volleyball soll im Vordergrund stehen

Obwohl er frisch im Team ist, wird Nico Beeler Volley Schönenwerd in der neuen Saison als Captain anführen. Er fühle sich geehrt, sei aber froh, nicht die alleinige Verantwortung zu tragen: «Ich bin Captain auf dem Spielfeld. Wir haben aber ein Captaintrio, zu dem auch Reto Giger und Julian Fischer gehören. Wir sind das Bindeglied zwischen dem Team und dem Trainer.» Mit seiner Erfahrung und seinem Spielverständnis will er Ruhe in die Mannschaft bringen.

«Ich versuche, konstant zu spielen und Spass zu haben am Volleyball – das soll im Vordergrund stehen», sagt er. Und er will weitere Titel gewinnen. Mit Näfels wurde er 2011 Schweizer Meister und 2014 erstmals Cupsieger. Schönenwerd dagegen wartet nach zwölf Saisons in der NLA immer noch auf den ersten Titel. «Vielleicht können wir das in dieser Saison ändern», hofft Beeler.

Er bezeichnet sich selbst als Viertelprofi und bestreitet mit Schönenwerd vier Trainingseinheiten pro Woche. An der Sekundarschule in Trimbach ist er aktuell in einem 75-Prozent-Pensum angestellt. Zudem arbeitet er gerade an seiner Masterarbeit und bereitet sich auf die letzten Masterprüfungen vor.

Noch einmal voll und ganz auf Volleyball zu setzen, kommt für ihn nicht in Frage. Er habe sich vor dem Wechsel zu Volley Schönenwerd sogar überlegt, in dieser Saison eine Pause einzulegen. «Während meiner Zeit als Beachvolleyball-Profi musste ich viele Opfer bringen», begründet er.

 

«Jetzt möchte ich mehr arbeiten, damit ich intellektuell auch noch etwas anders gefordert werde – ich brauche diesen Ausgleich. Und ich will mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen.»

 

Ein guter Mix aus erfahrenen und jungen Spielern

Nico Beeler ist einer von zehn neuen Spielern im Schönenwerder Team. Im Moment sieht er drei Grüppchen in der Mannschaft. Die älteren und erfahreneren Spieler, zu denen er gehört. Die vielen jungen Talente und ein Dreiergrüppchen bestehend aus den Ausländern. Das Kader biete einen guten Mix aus allem.

«Wir sind ein ausgeglichenes und vielseitiges Team. Wenn wir auswechseln, gibt es keinen allzu grossen Leistungsabfall», führt er aus. Die Mannschaft bestehe zum grossen Teil aus eher ruhigen Spielern. «Wir haben sicher nicht die extrovertiertesten Spieler, ausser der Ami (Diagonalangreifer Jalen Penrose, d. Red.)», sagt Beeler lachend, «ich bin gespannt, ob sich das im Laufe der Saison auf dem Feld noch etwas ändern wird und auch andere mehr aus sich herauskommen.»

Der Teamgeist müsse sich bei so vielen Neuzugängen zuerst entwickeln. «Aber auch das kommt langsam», ist er überzeugt. «Wir waren im Trainingslager in Brig und an einem Turnier in Nancy immer als Gruppe zusammen. Ich freue mich extrem auf die Saison und darauf, mit diesem Team zu spielen.»

Los geht die Kampagne 2021/22 am Samstag mit dem Auswärtsspiel in Lausanne. Ein Gegner, den Nico Beeler nicht richtig einstufen kann. Seine allgemeine Einschätzung der sechs Konkurrenten: «Amriswil ist sehr gut, da müssen wir nicht diskutieren. Luzern kämpft offenbar etwas mit Verletzungspech. Ich rechne mit einer spannenden Saison und mit einem harten Kampf um die Plätze zwei bis sechs.»

Speziell werden für ihn die Duelle mit Jona. Er sei immer noch sehr verbunden mit seinem Stammklub und es werde ihn dereinst wahrscheinlich auch wieder in Richtung Zürichsee ziehen. «Auch nach meinem Wechsel habe ich einen guten Draht zum Klub, nicht nur, weil mein Bruder dort spielt», sagt er, «auf dem Feld werde ich Jona allerdings nichts schenken.»

Schliesslich will er Schönenwerd zum ersten Titelgewinn führen. Erneut den Schweizer Cup zu gewinnen, lautet sein grosses Saisonziel: «Den Meistertitel zu holen, wird sehr schwierig. Erst müssen wir es in die Playoffs schaffen, dort ist dann alles möglich. Die Schönenwerder Fans werden mich auf jeden Fall kämpfen und hoffentlich auch oft jubeln sehen.»

Der grosse Umbruch mit zehn neuen Spielern

Schönenwerds CEO Daniel Bühlmann und Sportchef Bujar Dervisaj haben intensive Monate hinter sich. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille im April krempelten die Verantwortlichen das Kader des NLA-Teams praktisch komplett um. Teilweise zwangsweise, weil Leandro Gerber seine Karriere beendete, Luca Ulrich sich in der italienischen Liga versucht, Mischa von Burg den Verlockungen aus Amriswil nicht widerstehen konnte, sich Yves Roth bei Jona mehr Spielpraxis erhofft sowie Tobias Moser bei Luzern, und schliesslich weil sich Chris Frame einen Knorpelschaden am Knie zuzog und in dieser Saison aussetzen muss.

Weitergezogen sind ausserdem die drei Ausländer German Johansen, Redjo Koci und Shonari Hepburn. «Es hat tatsächlich ein ziemlicher Umbruch stattgefunden auf die neue Saison hin», bestätigt Bühlmann. «Ich habe ein gutes Gefühl, was das Kader betrifft. Aber die Wahrheit zeigt sich immer erst auf dem Platz. Am Anfang der Saison werden wir wohl eine gewisse Anlaufzeit brauchen wegen der vielen Wechsel – aber da geht es den anderen Klubs nicht anders.»

Nicht weniger als zehn neue Spieler stiessen im Verlauf der Sommerpause zu Volley Schönenwerd. Annahmespieler Nico Beeler kam vom Ligakonkurrenten Jona, Passeur Mathis Jucker von Amriswil und Diagonalangreifer Piero Müller, der als bester Rookie der Saison 2020/21 ausgezeichnet wurde, von Traktor Basel. Roy Schmid (Mitte) und Cyril Kolb (Annahme) stammen aus dem Nationalen Trainingszentrum Aargau, und Libero Yves Charpilloz wurde von der zweiten in die erste Mannschaft befördert

Schon früh vermeldete der Klub die Verpflichtungen des amerikanischen Diagonalangreifers Jalen Penrose und des brasilianischen Mittelblockers Rodrigo Leitzke. Der Plan, nur mit zwei Ausländern in die neue Saison zu steigen, wurde durch Frames Verletzung durchkreuzt. Weil es keinen adäquaten Schweizer als Ersatz gab auf dem Markt, holte man den Peruaner Daniel Uruena. Die beiden Ausländer auf der Mitteposition werden das Spiel der Schönenwerder verändern, sagt Bühlmann:

«Wir können vermehrt durch die Mitte angreifen, wie es im modernen Volleyball üblich ist. Das ist der einfachste Ball und es entlastet die Aussenangreifer.»

Anfang September schlug «Schöni» noch ein letztes Mal zu. Der langjährige Beachvolleyball-Profi Mirco Gerson, der heuer an den Olympischen Spielen in Tokio im Einsatz stand, verstärkt das Team in dieser Saison. «Er bringt eine ganz andere Mentalität mit, die jungen Spieler sollen sich an seiner professionellen Einstellung orientieren», kommentiert Bühlmann den Zuzug. «Mirco ist polyvalent einsetzbar und bringt dem Coach neue Möglichkeiten. Er ist eine gute Alternative für die Liberoposition, kann aber auch aussen eingesetzt werden.»

Neu ist auch der Trainer: Auf den Australier Liam Sketcher folgt der Niederländer Johan Verstappen. «Er hat eine gute Balance gefunden», so Bühlmann, «einerseits fordert er sehr viel von den Spielern, auf der anderen Seite weiss er aber genau, in welchem Rahmen wir uns bei Volley Schönenwerd bewegen und was er den Spielern, von denen die wenigsten Profis sind, ab-verlangen kann.» Wohin soll der Weg mit dem neuen Team gehen? «Das Minimalziel sind die Playoff-Halbfinals, diesen Anspruch müssen wir haben», sagt Daniel Bühlmann.

Text: Raphael Wermelinger - Solothurner Zeitung

Bild:© zvg

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