«Viele Spieler waren ängstlich»

«Viele Spieler waren ängstlich»
20.11.2020

Wie das Team von Volley Schönenwerd einen Monat ohne Ernstkampf erlebt hat - Nach drei Coronafällen im Team und 28 Tagen ohne Ernstkampf nimmt Volley Schönenwerd am Sonntag bei Traktor Basel den Meisterschaftsbetrieb wieder auf. Auch wenn das Team flexibel bleiben muss, gibt es nur ein Rezept: So schnell wie möglich wieder den Tritt finden.

Endlich, endlich: 28 Tage werden am Sonntag verstrichen sein, ohne dass Volley Schönenwerd ein einziges Saisonspiel bestritten hätte. Nun wird das NLA-Team am Sonntag auswärts bei Traktor Basel den Meisterschaftsbetrieb wieder aufnehmen können.

In diesen 28 Tagen ist rund um Volley Schönenwerd viel passiert, sodass in den turbulentesten Tagen nicht an Volleyball zu denken war. Eine Woche nach der 0:3-Niederlage im Spitzenkampf gegen Amriswil begann die kuriose Reise der Spielabsagen, als kurz vor dem Beginn der Partie gegen Lausanne, rund um das Einspielen zur Begegnung, bekannt wurde, dass ein Spieler von Schönenwerd positiv getestet wurde. Noch vor dem ersten Ballwechsel musste die Partie gegen Lausanne abgesagt und verschoben werden, worauf sich die Westschweizer in der Betoncoupe-Arena noch ein spontanes Training gönnten, während die Schönenwerder sich in eine zehntägige Quarantäne begeben mussten.

Viel Arbeit für Teamstaff

Als Schönenwerd schliesslich wieder aus der Quarantäne kam, musste das geplante Spiel gegen Chenois verschoben werden, weil beim Gegner neue Fälle bekannt wurden. Und zu guter Letzt wurden bei Schönis Mannschaft zwei weitere Fälle bekannt, weshalb das Spiel gegen Traktor Basel neu angesetzt werden musste. Schönenwerd wartete daraufhin ab, was im Nachhinein ein kluger Entscheid war, denn womöglich hat man damit weitere Ansteckungen vermeiden können.

Erst am Mittwoch vor einer Woche nahm das Team von Trainer Bogdan Kotnik den Trainingsbetrieb wieder auf – zwei Mal täglich wurde trainiert, erst gestaffelt, später als gesamtes Team. «Wir teilen unsere Coronaprobleme mit der Liga und sind nicht das einzige betroffene Team. Wir wussten, dass die Saison nicht einfach wird und versuchen das Beste aus der Situation zu machen», sagt Sportchef Buraj Dervisaj.

Er weist daraufhin, dass es rund um die Isolation und Spielverschiebungen viel Arbeit für den Teamstaff zu erledigen gegeben habe. Als Beispiel nennt er viele Kleinigkeiten wie das Einkaufen für die ausländischen Spieler zu Quarantänezeiten, die nicht auf ein Umfeld in der Schweiz zählen könnten. «Der ganze Staff arbeitet genauso viel wie die Spieler. Das kostet viel Zeit und viel Energie», sagt Dervisaj mit löblichem Unterton und vergisst dabei das Lächeln nicht.

Sportchef würde Unterbruch der Saison begrüssen

Der Restart in den Trainingsbetrieb gestaltete sich alles andere als einfach. Einerseits sei viel Verunsicherung zu spüren gewesen, andererseits sei es schwierig, sich herauszufordern, wenn man nicht weiss, wie es weitergeht. «Viele Spieler waren ängstlich eingestellt und kamen mit vielen Fragen auf uns zu», so Dervisaj.

Er versteht nicht, weshalb in der Schweiz die Profi- und Semiprofi-Athleten nicht einmal wöchentlich getestet würden, wie dies etwa in der Volley-Bundesliga der Fall sei. Von seinem Sohn Leon, der bei Rottenburg spielt, höre er dazu viel Gutes, was sich auch in den geringen Coronazahlen der deutschen Volleyteams niederschlage. Andererseits würde der Schöni-Sportchef in der Schweiz einen Unterbruch der Meisterschaft begrüssen. Die epidemiologische Entwicklung verfolgen und dann mit einem allenfalls neu ausgearbeiteten Spielmodus die Saison wieder aufnehmen, «damit wir die Saison fertig spielen können.»

Vorerst gibt es aber für das Kotnik-Team nur ein Rezept zu verfolgen: Trotz gezwungener Pause so schnell wie möglich wieder den Tritt in die Meisterschaft finden. Denn für Sportchef Dervisaj ist klar: «Wir haben in diesem Jahr viel investiert und unser Ziel ist klar, dass wir vorne mitspielen wollen. Corona hin oder her: Alles andere als einen Sieg gegen Basel können wir nicht akzeptieren.»

Text: Silvan Hartmann – CH Media

Bild: © Patrick Lüthy

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